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Kulturhuef Grevenmacher

Künstlerresidenz Laurianne Bixhain


Laurianne Bixhain meets Gutenberg
Læ soleil et l'acier



Die junge Luxemburger Künstlerin Laurianne Bixhain stellt in Ihrer neuen Künstlerresidenz im Kulturhuef Musée Ihre verspielte Heransgehensweise an materielle Beschaffenheiten unter Beweis. Der Name der Künstlerresidenz læ soleil et l’acier - sprich die Sonne und das Eisen - illustriert an sich schon dieses Spiel mit dem Konkreten des Eisens, im Musée auch das Eisen der Druckinstrumente wie Klischees, Lettern und Pressen und der Immaterialität der Sonne, die in einem stetigen immateriellen Wechselspiel unsere Umwelt passiert, ähnlich der Gegenwärtigkeit von Text und Sprache, die unsere Lebenswelt durchziehen. Dieses Wechselspiel liegt demnach auch der Arbeit von Bixhain zugrunde. Sie wird in mehreren Lesezerkeln mit befreundeten Künstlern Textfragmente aufnehmen, besprechen, umwandeln, fragmentieren und neu positionieren. So zeigt sich auch die faszinierende Neugestaltung von Sinn durch ein absichtliches Durcheinanderbringen von Textfragmenten im kreativen Arbeitsprozess selbst.

Diese fließende Sinngestaltung trifft nun auf die Unflexibilität und Endgültigkeit des Eisens, indem die Künstlerin hier - zusammen mit Grafikerin Roxanne Maillet - die Textfragmente durch den Druckprozess auf den historischen Maschinen des Kulturhuef Musée materialisiert. Gedruckt wird in mehreren Formaten und auf mehreren Materialien. Diese verschiedenen Arbeitsschritte werden in wechselnden temporären Ausstellungen bis Juni 2023 präsentiert.

Ausstellung sowohl als auch Lesegruppen sind öffentlich und auch Zuschauer könne - wenn gewollt - teilnehmen und vorlesen. Besuchen Sie regelmässig unser Museum Agenda für weitere Informationen.



Laurianne Bixhain

Portrait_LaurianneLaurianne Bixhain wurde 1987 in Wiltz geboren. Sie erwarb einen BA und einen MFA an der School of Fine Arts in Bordeaux und absolvierte ein Meisterschülerstudium in Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören „Freigeister. Fragments of an art scene in Luxembourg and beyond“ bei Mudam, Luxemburg; Tawil bei Recyclart, Brüssel und Cercle 5 bei Cercle Cité, Luxemburg. Ihre Arbeiten wurden auf Festivals wie Les Rencontres de la photographie d'Arles und dem Europäischen Monat der Fotografie, Berlin, präsentiert. 2018 wurde sie mit dem Luxembourg Encouragement for Artists Prize (LEAP) ausgezeichnet und 2016 wurde sie für den ING Unseen Talent Award, Amsterdam, nominiert. Ihr Buch On the Other End ist im VfmK Verlag für moderne Kunst, Wien, erschienen und sie hat an Residenzen in Brüssel (ISELP), Paris (Fondation Biermans-Lapôtre), Montreal (Darling Foundry), Manchester (Islington Mill) und Istanbul (Torna) teilgenommen. Sie lebt und arbeitet in Luxemburg. 

http://lauriannebixhain.com/

Org. Kulturhuef

 

Reading Room


Samstag den 05. November 2022 | 17:00-22:00 Uhr

Im Rahmen der Künstlerresidenz veranstaltet Laurainne Bixhain am 05. November eine öffentliche Leserunde, bei der jeder teilnehmen und zuschauen kann.



Die im Laufe der Philosophie- und Kunstgeschichte überlieferte Trennung der Welt der Ideen von der Welt der Materie impliziert eine Hierarchie, die die Minderwertigkeit der Materie voraussetzt, die als passiv betrachtet wird. Diese Spaltung ist umso brutaler, wenn es um die Hierarchisierung und den Gegensatz von Natur und Kultur, weiblich und männlich, Praxis und Theorie, Berührung und Sehen, Artefakt und Lebewesen usw. geht.

Im Laufe unserer Lektüre werden verschiedene Charaktere auftauchen: ein Richter, Norma Jeane Baker aus Troja, Albertine, ein Sträfling, eine Diebin, eine Königin etc. Sie alle brechen auf ihre Weise aus dieser etablierten Ordnung aus und stiften Unruhe durch Bluff und List, Spiel, Party, Kulturismus, Revolte, Schmuck, Masken, das Erlernen der Sprache des Körpers mithilfe von Sonne und Stahl, Fechten und Liebe. Sie schlagen eine Schneise zwischen dem, was als zentral und marginal angesehen wird.

Diese fiktiven oder manchmal auch realen Wesen stellen Bilder her, die sich zwischen diesen beiden Rändern bewegen. Mit Spiegeln, Gemälden, Webereien, Strickwaren und Fotografien schaffen sie einen Raum des Genusses und des Spiels, ein Flimmern, den Ort eines Verlustes, eines Risses, eines Schnitts, wo nichts mehr so ist, wie es scheint. Die Karten werden neu gemischt. Der Einsatz dieser Erzählungen, das, was sie verbindet, ist der Wille, die Macht zirkulieren zu lassen.

Die Komposition ist ein kollektiver Prozess, wir kommen zusammen und bekräftigen die Multivokalität der Texte und der Kreation. Unsere von der Kraft der Stimme getragene Erfahrung wird es Roxanne Maillet später ermöglichen, die Texte zu gestalten, indem sie eine Bedeutung einführt, die das Lesen, das Sprechen und die Geste übersetzt. Wir freuen uns darauf, die Texte auf den Druckpressen des Druck- und Spielkartenmuseums zu reproduzieren und den verwendeten Materialien, der Bedeutung, die sie erzeugen, und dem, was sie darstellen, die gleiche Bedeutung beizumessen. Das gedruckte Objekt wird anschließend weiterverteilt.

Reading Room - Image



Eintritt und Teilnahme ist kostenlos!


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